Einrichtungs-Guide - in 10 Schritten die neue Wohnung planen

Es mag Naturtalente geben, die ein Gespür für die richtigen Möbel, Farben und Formen haben. Doch für die meisten Menschen ist Einrichten dann doch kein Kinderspiel.

Und deshalb sind, trotz individueller Geschmäcke und Ansprüche ans Wohnen, allgemeingültige Regeln sehr nützlich. Wer sie beherzigt, fühlt sich zu Hause einfach wohler und bleibt von ärgerlichen Fehlinvestitionen verschont. Ob Sie nun in eine neue Wohnung einziehen oder Ihr Zuhause nur verändern wollen: hier eine Anleitung zum gekonnten Einrichten.



1 – Bedarfsanalyse

Bevor Sie ein neues Möbel kaufen, sollten Sie eine Vorstellung davon haben, wie Sie es nutzen wollen. Für eine Familie ist beispielsweise ein großer Esstisch wichtig. Ein Bücherwurm benötigt ein Regal für seine Literatur und wer gerne aufrecht sitzt, sollte sich eher einen Sessel zulegen als ein Sofa.
Nur wer seine Möbel auch wirklich nutzt, wird sich in seiner Wohnung wohlfühlen. Machen Sie also eine Bestandsaufnahme, welche Möbel bei Ihnen aktuell täglich oder häufig zum Einsatz kommen, mit welchen davon Sie nicht zufrieden sind und welche Sie bisher ganz vermissen. Auf Ihre persönliche Situation abgestimmte Möbel sind die Grundlage für eine gute Einrichtung.

2- Aussortieren und neu konzipieren

Kaum jemand richtet sich auf einen Schlag komplett neu ein. Es gibt immer Dinge, die man behalten möchte, weil sie schön oder praktisch sind oder einfach nur weil man sie mag. Man sollte aber auch ruhig einmal etwas ohne schlechtes Gewissen aussortieren, denn Bedürfnisse und Geschmack ändern sich im Laufe des Lebens.
Vielleicht gibt es jemanden, der sich über das aussortierte Möbelstück freut? Wenn Sie sich entschieden haben, welche Stücke bleiben, geht es darum, diese ins neue Wohnkonzept zu integrieren. Das funktioniert bestens über Farbe, denn die verbindet unabhängig vom Stil. Man kann einzelne besondere Möbel aber auch hervorheben, sie zum Blickfang des Raumes machen, dem sich alles unterordnet.

3- Möbel im Grundriss überprüfen

Beachten Sie die Proportionen! Ein kleiner Raum und ein großes Sofa – diese Paarung kann nicht gutgehen. Machen Sie ein Aufmaß des Raumes inklusive Fenster und Türen, zeichnen Sie den Grundriss und die wichtigsten Möbel im Maßstab auf festes Papier und schneiden Sie die Möbel aus. Das macht Arbeit, aber es lohnt sich, denn jetzt können Sie die Möbel auf dem Grundriss an verschiedene Plätze schieben und überprüfen, wo sie am besten stehen, ob die Proportionen zum Raum stimmen, und schließlich die bestmögliche Entscheidung treffen. Planen Sie auch die Wege mit ein, die Sie in diesem Raum häufig zurücklegen. Schließlich möchte man nicht über den Sessel stolpern, wenn man zur Terrassentür geht.

4 – Den eigenen Wohntyp finden

Wenn Sie wissen, welche Möbel Sie wirklich brauchen und wo Sie diese hinstellen wollen, bleibt noch die Frage, wie Ihre Neuanschaffungen aussehen sollen. Und das wiederum hängt davon ab, welcher Wohntyp Sie sind: Mögen Sie es lieber natürlich, haben Sie eine romantische Ader oder fühlen Sie sich in einer lässig-modernen Einrichtung am wohlsten? Wichtig: Konzentrieren Sie sich darauf, was Ihnen persönlich und nicht den anderen gefällt. Die Frage sollte lauten: Womit fühle ich mich täglich wohl? Und nicht: Was sieht schick aus, wenn Gäste zu Besuch kommen? Zuhause wohnt man - man repräsentiert nicht!
 

5 – Farb- und Materialkonzept erstellen

Wenn Sie unsicher sind, welche Farben, Formen und Materialien zu Ihrem Wohnstil passen, machen Sie es am besten wie die Profis und erstellen ein Moodboard. Durchstöbern Sie dafür Magazine und Wohnbücher nach allem, was Ihnen gefällt, sei es eine einzelne Vase oder ein ganzer Raum. Kopieren Sie diese Bilder und sammeln Sie dazu auch Tapetenstücke, Stoffmuster, Farben und alle möglichen anderen Materialien. Kleben Sie die Bilder und Vorlagen zu einer Collage, sie visualisiert die Stimmung, die zu Ihnen passt und in der Sie leben möchten.

6 – Beleuchtung planen

Wir brauchen Licht nicht nur zum Sehen, sondern auch für die Stimmung. Machen Sie deshalb eine Raumanalyse: Wo fällt viel Tageslicht in den Raum, und wie verändert es sich im Laufe des Tages und der Jahreszeiten? Welche Bereiche sollen hervorgehoben werden? Wo brauchen Sie besonders viel Licht, zum Beispiel beim Lesen? Allgemein sollte es in jedem Raum drei Beleuchtungsarten geben: Sie benötigen Licht im Hintergrund zum Ausleuchten des Raumes, punktuell Licht zum Arbeiten, Lesen oder Kochen und Licht als dekorativen Akzent, für die Behaglichkeit.

7– Sich ausreichend Zeit lassen

Leihen Sie sich Stoff-, Tapeten- und Teppichmuster aus und lassen Sie diese im Raum längere Zeit auf sich wirken. Sie werden merken, dass der Effekt bei Tageslicht und bei Dämmerung ganz unterschiedlich sein kann: Ein tiefes Burgunderrot an der Wand mag Ihnen abends sehr gemütlich vorkommen, erscheint Ihnen aber womöglich bei Sonnenlicht zu dominant. Deshalb bitte keine Schnellschüsse! Lieber ein paar Monate ohne Teppich leben, als jahrelang auf den falschen zu schauen.

8 – Zeitlose Basics als Grundlage auswählen

Wie in der Mode gibt es auch in der Einrichtungswelt jedes Jahr neue Trends. Kaum jemand kann sich dem Einfluss des Zeitgeistes komplettentziehen. Trotzdem: Ein Möbelstück, eine Einrichtung muss länger gefallen als eine Saison. Bei den Basics wie Sofa, Sessel, Regal sollten Sie sich deshalb lieber für eine zeitlose Variante entscheiden. Dann machen diese auch mal einen Stilwechsel mit. Als modisches Accessoire bieten sich Kissen, Vorhänge, Tapeten und Wandfarben an, die Sie ohne großen finanziellen und praktischen Aufwand immer wieder auswechseln können.

9 – Mit Accessoires Atmosphäre schaffen

Zum Schluss kommt die Kür: die Dekoration Ihres Zuhauses. Bilder, Vasen, Kerzenständer bringen Persönlichkeit und Leben in die Räume. Textilien wie Kissen, Decken, Teppiche betonen die sinnliche Seite des Wohnens. Aber die Accessoires bitte nicht wahllos über den Raum verteilen, bilden Sie Deko-Inseln, etwa auf dem Siedeboard oder am Couchtisch, und bündeln Sie diese nach Farbe, Material oder Thema. Tipp: Alles neu, das wirkt schnell wie aus dem Katalog. Mischen Sie bei Ihren Deko-Inseln ein Stück darunter, dem man ein langes Leben ansieht. Unikate von gestern finden Sie auf Flohmärkten und in Antiquitätenläden.

10 – Offen für Veränderung bleiben

Trotz bester Planung kann immer etwas schiefgehen. In der Praxis passt die Farbe des Teppichs doch nicht zum Vorhang, oder das Sofa ist einen Tick zu groß für den Raum. Statt sich lange darüber zu ärgern, überlegen Sie, ob Sie das Möbel nicht noch einmal umstellen können oder der Teppich vielleicht besser ins Schlafzimmer passt. Manche Wohnprofis schaffen es, ihr Zuhause immer wieder neu aussehen zu lassen, einfach, indem sie schon Vorhandenes neu arrangieren.

10 plus 1- Die goldene Regel

Halten Sie sich nicht an die Regeln, entscheiden Sie aus dem Bauch heraus…. und stehen dann auch dazu.