Wieso bringt der Hase Eier? – Und die guten alten Ostertraditionen

Eigentlich passt es gar nicht zusammen: Zu Ostern kommt der Osterhase und versteckt Eier im Garten - oder sogar in der Wohnung. Aber warum?
Die Geschichte des Osterhasen ist nicht eine einzige, es gibt viele Ideen dazu, warum es ein Hase ist, der uns zu Ostern bunte Eier, Schokolade und vielleicht auch ein kleines Geschenk bringt.

Dazu gibt es verschiedene Vermutungen.


Die städtische: Wilde Hasen kommen im Frühjahr in die Ortschaften und Gärten, weil nach dem Winter das Futter knapp wird und ab März großer Bedarf herrscht: Zahlreich kommt der Nachwuchs zur Welt.

Die protestantische: Durch die Fastenzeit hat sich bei katholischen Familien ein großer Eiervorrat angehäuft. Die Protestanten sollen als Erklärung dafür den Osterhasen erfunden haben, um ihre Kinder nicht mit der Fastenzeit zu konfrontieren.

Die germanische: Das vermehrungsfreudige Langohr war in der Antike ein Begleiter der Liebesgöttin Aphrodite sowie der germanischen Erdgöttin Holda. Im frühen Christentum galt er als Lotse in den Himmel, perfekt für das Fest der Auferstehung.
Die bildhafte: In der byzantinischen Ikonenkunst soll der Hase ein Symbol für Christus gewesen sein.

Die hübsche: Das berühmte Dreihasenmotiv "Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei", etwa als Fenster im Paderborner Dom zu sehen, gilt als Symbol für die Dreifaltigkeit. Es ist auf frühen bemalten Ostereiern zu finden und diente somit vielleicht als Vorlage für den Osterhasen.

Die alte Konkurrenz
Dass der Hase der konkurrenzlose Osterstar ist, war jedoch nicht immer so. Bis zum 16. Jahrhundert brachte in Thüringen ein Storch die Ostereier, in Hessen der Fuchs, in der Schweiz der Kuckuck, in Sachsen und Holstein ein Hahn und in Fulda der Palmesel.

So kommt der Hase zu den Eiern
Gründonnerstag, der fünfte Tag der Karwoche, war im Mittelalter der Tag, an dem Bauern ihren Bodenzins an die Grundherren abführen mussten. Gezahlt wurde auch in Lebensmitteln, gern in Hasen und Eiern. Doch bereits einige Jahrhunderte davor gehörten Hasen und Eier zusammen: Die Tiere waren der Frühlingsgöttin Ostara geweiht, die alten Germanen opferten ihr die ersten Märzhasen zusammen mit bunt bemalten Eiern. Doch ob dieser Göttin wirklich jemals gehuldigt wurde und sich gar von ihr das Wort Ostern ableiten lässt, ist umstritten.

Einer der Brüder Grimm, Jacob, hatte die Erklärung, für die Farbe auf dem Ei aufgestellt. So kommt die Farbe auf die Eier: Im ersten Jahrhundert nach Christus gab es bereits Ostereier, allerdings waren diese ausschließlich rot. Die rote Farbe verweist auf den auferstandenen Jesus und das durch ihn vergossene Blut. Erst ab dem 12. Jahrhundert bekamen Ostereier auch andere Farben, viel später auch Motive und mehrfarbige Dekorationen.

Ostern in Deutschland – Tradition und Frühlingsvergnügen

Nach einem langen Winter ist Ostern in Deutschland für viele Familien der erste Anlass, im Freien zu feiern. Die Kinder suchen im Garten nach Ostereiern, während die Erwachsenen spazieren gehen und die milde Frühlingsluft genießen. Eine Vielzahl von Traditionen und Bräuchen sorgt für vergnügliche Aktivitäten rund um das Osterfest, das höchste Fest des Christentums.

Kennen Sie „Ostereier-Titschen“? Oder Goethes „Osterspaziergang“? Seit Jahrtausenden begeht man zu Ostern in Deutschland das erste große Fest des Jahres mit zahlreichen Traditionen und Gebräuchen.

„Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“ Dieses Zitat stammt aus dem Gedicht „Osterspaziergang“ von Johann Wolfgang von Goethe. Es beschreibt sehr treffend das Gefühl, mit dem zu Ostern in Deutschland viele Menschen nach den kalten Wintertagen den Frühling begrüßen. Parks und Gärten laden dazu ein, die warmen Schals und Mützen zu Hause zu lassen und mit Familie und Freunden die ersten Sonnenstrahlen zu genießen.

Bräuche an Ostern

Zu Ostern feiert die christliche Religion die Auferstehung Jesu Christi. Aber auch Spuren von heidnischen Elementen sind in den heutigen Ostertraditionen zu erkennen; so gehen zum Beispiel die bemalten Ostereier auf ein vorchristliches Fruchtbarkeitssymbol zurück. Über die Jahrhunderte entwickelten sich in den Regionen Deutschlands unterschiedliche Bräuche, die zum Teil noch heute mit viel Liebe und Sinn für Tradition gepflegt werden.

Eine auch heute noch beliebte Tradition ist das Ostereier-Verstecken. Vor allem die Kinder haben großen Spaß dabei, am Ostersonntag im Garten oder in der Wohnung nach Ostereiern zu suchen – oder auch nach Nestern, in denen kleine Geschenke auf sie warten. Beim Familienfrühstück werden kleine Wettkämpfe ausgefochten: Zwei hart gekochte Eier werden mit der Spitze aneinandergeschlagen. Derjenige, dessen Eierspitze nicht zerbricht, gewinnt. Dieses Spiel heißt, je nach Region, Ostereier-Ticken, -Düpfen, -Ditschen, -Tüppen oder -Kitschen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich rund um das Osterfest eine Vielzahl an Osterbräuchen entwickelt, zu denen hier ein kleiner Überblick gegeben werden soll:

Palmbuschen und Palmesel

In Gedenken an die Huldigung Jesu wird am Palmsonntag das Ritual der Palmweihe vollzogen.Im Volk gelten die geweihten Zweige seit alters her als Segenszeichen für Haus und Feld.

Ratschen

Ein beliebter Brauch ist auch das Ratschen (lautes Knattern) oder Klappern. Dieses ersetzt von der Gründonnerstagsmesse bis zur Osternacht das Geläut der Altarglocken und wird von den Ministranten mit als Klappern (auch Karfreitagsklappern genannt) oder Ratschen bezeichneten Holzinstrumenten vollzogen.

Osterfeuer & Osterkerze

Das Osterfeuer soll an die Auferstehung Christi erinnern. Die Osterkerze wird feierlich unter dem Rufe »Lumen Christi« (= Christuslicht) in die dunkle Kirche getragen und an ihr entzünden dann die Gläubigen ihre eigenen Kerzen.

Speisesegnung & Osterweihkorb als Ostertradition

Zum Osterfest gibt es den uralten Brauch der Segnung von Speisen. Traditionell werden die Speisesegnungen (Speisenweihe) entweder in der Osternachtfeier, der Messe am Ostersonntag oder auch in einigen Gegenden bereits am Karsamstag durchgeführt. Dabei ist es Brauch, die gefärbten Ostereier und andere Speisen in einem geschmückten Körbchen (»Weihekorb«) zum Gottesdienst mitzubringen, wo nach dem Hochamt die Speisesegnung stattfindet.

Osterreiten

In der Osterzeit ist auch das so genannte »Osterreiten« (Kreuzreiten) als ein altes Ritual in manchen Regionen bekannt, bei dem die Auferstehung von Jesus Christus verkündet wird.

Der Emmaus-Gang – unterwegs mit dem Herrn

Der Emmaus-Gang oder Emmausgang oder das Emmauspilgern ist eine Art besinnlicher Spaziergang, der verbreitet von christlichen Gruppen am Ostermontag unternommen wird. Oft brechen die Gruppen bereits am frühen Morgen des Ostermontags zum Emmausgang auf - meist mit einer Kirche oder Kapelle als Ziel.

Osterlamm

Einer der bekanntesten Bräuche an Ostern ist der rund um das Osterlamm. Schon seit Jahrtausenden gilt das Schaf als Symbol des Lebens und im Neuen Testament wird das Lamm zum Symbol für Jesus Christus, der als Lamm Gottes bezeichnet wird.
Osterwasser
Seit Anbeginn der Menschheit gilt das Wasser als Symbol für das Leben und die Fruchtbarkeit.

Ein alter Volksbrauch war es, das Osterwasser in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang aus einem Bach zu schöpfen und dann schweigend nach Hause zu tragen. Dies sollte ein ganzes Jahr lang Augenleiden, Ausschlag und andere Krankheiten heilen sowie für eine ewige Jugend und Schönheit sorgen. Nach dem Volksglauben sollen diejenigen Kinder, welche mit dem Osterwasser getauft wurden, besonders intelligent werden.

In der heutigen Zeit meint man als Osterwasser vor allem das in der Kirche gesegnete Wasser (Taufwasser). Dieses kann nach der Segnung in der Osternacht von den Gläubigen mit nach Hause genommen werden, wo es in manchen Regionen Brauch ist, das Osterwasser in die Weihwasserbecken der Stuben zu befüllen.

Das Osterlachen – ein Ausdruck der Freude

Eine sehr alte Tradition zu Ostern ist das so genannte »Osterlachen«, das in vielen Gemeinden auch heute noch ein schöner Brauch ist. Dabei erzählt der Priester in der Osterpredigt lustige Anekdoten (auch »Ostermär« oder »Ostermärlein« genannt), um die Gläubigen zum Lachen bringen. Mit dem Osterlachen soll der Charakter des Osterfestes als Fest der Freude, an dem wir allen Grund haben zu lachen, ganz besonders zum Ausdruck gebracht werden.

Frohe Ostern!