Stimmungsschwankungen oder Reisefieber?

Möbel umräumen ist die billigste Art zu reisen. Wir befördern uns in eine ganz neue Umgebung und rühren uns dabei nicht vom Fleck.

Überkommt es Sie manchmal auch? Ihre Möbel stehen einfach nicht richtig, das muss alles anders werden, denken Sie. Und räumen um. Aber nach zwei Monaten gefällt Ihnen das alles auch wieder nicht. Sie räumen wieder um. Und am Ende des Jahres sind die Möbel bei ihrer Reise wieder dahin zurückgekehrt, wo sie ganz am Anfang standen...

Kaum hat man es sich so richtig gemütlich gemacht, ruft schon wieder der Drang nach Veränderung. Woran liegt es, dass wir immer nach Neuem und Besserem streben? Wäre es nicht besser, mit dem zufrieden zu sein was man hat? Und vor allem viel einfacher?

Die Zeiten, in denen fast alles vom großen Schweden eingerichtet wurde, sind schon lange vorbei. Man besitzt inzwischen viele tolle Erbstücke, die eine Geschichte erzählen. Hier und da ein Designklassiker und viele selbstgemachte Dinge machen Ihre Wohnung zu Ihrem ganz persönlichen Zuhause. Klingt doch toll, damit könnte man sich doch zufriedengeben - möchte man meinen.

Woher kommt dann dieser ständige Drang nach Veränderung?

Erzählungen von früher besagen, dass sich die Menschen einmal DIE Einrichtung fürs Leben angeschafft haben und dann über Jahre nichts daran verändert wurde. Höchstens ein paar Deko-Gegenstände kamen dazu.
Gibt es heute mit Sicherheit auch noch, ist aber fast unvorstellbar. An vielen Dingen hat man sich unheimlich schnell satt gesehen. Wenn man jetzt ein Accessoire aus Kupfer sieht, könnte man schreiend weglaufen. Noch vor gar nicht so langer Zeit konnte nicht genug Kupfer in der Wohnung rumstehen. Oder die omnipräsenten Eames Plastic Chairs. Mensch, was hätte man für einen Eames Plastic Armchair DAW in Gelb gegeben. Und jetzt? Hat man sich an ihm satt gesehen, ohne jemals einen besessen zu haben.


Der Trend und die Viralisierung

Da kommen wir zu dem Übeltäter, warum wir ständig was Neues und Besseres brauchen. Wir sehen die Dinge einfach zu oft. Um bei dem Beispiel des Eames Chairs zu bleiben: Er taucht auf jedem zweiten Instagrambild auf, die Magazine sind voll davon und sogar in Fastfood-Restaurants steht er rum. Und das Schlimme daran, bei 90 Prozent der Instagrambilder sind Plagiate abgebildet. Und Zack ist der Reiz des eigentlich so wunderschönen Stuhls verloren. Ein Designklassiker wird verramscht. Die Louis Vuitton Handtasche der Interiorblogger.

Dieses Phänomen ist natürlich auch bei tausend anderen, besonders trendigen Möbeln und Accessoires zu beobachten. Überall die gleichen Kerzenständer, Vasen, Beistelltische, Kissen und Poster. Natürlich finden auch wir all diese Dinge schön und besitzen selbst einige solcher Instagram-It-Pieces, aber tauchen diese Dinge plötzlich überall auf, findet man sie nur noch halb so schön. Das ist wie damals, als man die eine Band nur cool fand, solange sie kein anderer kannte.
Weil die Verbreitung von Trends heute aber viel schneller geht, sehen wir uns logischerweise auch schneller satt daran.
Entsteht ein Trend, verbreitet dieser sich durch Plattformen wie Instagram und Pinterest wie ein Lauffeuer. Kaum hat man ihn für sich entdeckt, hat man sich auch schon wieder fast satt gesehen. Der nächste Trend ist schon im Anmarsch. Wie soll man da denn mithalten? Gestern cleaner Skandi-Chic, heute bunter Boho-Style und morgen geht’s zurück in die Achtziger. Alle zwei Monate die Wohnung komplett neu einrichten? Das ist ja wohl für niemanden eine ernste Option.


Die Verlockung ist groß

Doch wie schafft man es, in dieser schnelllebigen Welt mitzuhalten, ohne alle paar Wochen die Wohnung komplett neu einzurichten? Klar… die Verlockung ist groß, möglichst viele Trends mitzumachen. Komischerweise fährt man ja doch auf die meisten total ab. Bei dem einen Trend macht’s direkt boom und der andere braucht etwas länger, bis er uns von sich überzeugt hat. Am Ende schwimmt fast jeder mit auf der Welle des Trends.

Aber ganz ehrlich? Wer kann es sich leisten, wirklich jeden Trend mitzumachen? Kostet ja auch unendlich viel Zeit, Nerven und Erspartes. Die Lösung ist ganz einfach, einen guten Weg in der Mitte zu finden. Wir haben keine psychologischen Tipps um gegen den inneren Drang nach Veränderung anzukämpfen. Falls man das denn überhaupt will. Wie schon gesagt, einfach unvorstellbar, 20 Jahre mit ein und derselben Einrichtung zu leben. Brrr, dafür haben wir aber ein paar Tipps, wie man schnell, einfach und günstig neuen Wind in die Wohnung bringt. Ein kurzzeitiges Stillen des inneren Drangs.

Kleine Veränderung – große Wirkung // 5 Tipps

Neue Textilien – im Wohnzimmer hilft es oft schon, ein paar neue Kissen auf die Couch zu werfen. Das bringt Farbe oder gleich einen neuen Einrichtungsstil in den Raum. Neue Vorhänge in einer ganz anderen Farbe oder Muster sorgen sofort für ein ganz neues Wohngefühl.

Wände streichen – eine neue Farbe an der Wand kann so unheimlich viel ausmachen. Die Atmosphäre eines Raumes wird durch eine neue Wandfarbe komplett geändert. Nehmen Sie sich erst mal nur eine Wand vor, so bleiben der Aufwand und die Kosten gering.

Umstellen – Möbel umstellen stillt den Drang nach Veränderung ungemein. Stellen Sie die Couch doch mal an die andere Wand oder drehen den Esstisch um 90°. Sie werden sehen, die Wirkung ist groß.

Kleine Dinge austauschen – Gefällt Ihnen etwas nicht mehr so gut, dann tauschen Sie es aus. Zuerst wird das ungeliebte Möbel oder Deko-Accessoire bei den Kleinanzeigen verkauft und von dem Geld kaufen Sie sich etwas anderes.

DIY und Upcycling – Der alte Schrank im Wohnzimmer langweilt Sie nur noch? Verpass dem Teil einen neuen Anstrich. Neue Griffe an den Küchenschränken wirken Wunder. Alte Stühle strahlen mit neuen Bezügen in neuem Glanz. Der öde Terrakotta Blumentopf wird mit ein wenig Lack-Farbe zum Einzelteil.

Und wenn es mal wieder schlimm wird mit den Stimmungsschwankungen… fahren Sie in den Urlaub. Manchmal liegt es nämlich gar nicht an Ihrer Einrichtung, sondern an dem Drang „mal raus zu kommen“.