Reisen mit Stil - Landessitten

Schon wieder ins Fettnäpfchen getreten? Nicht ärgern – andere Länder, andere Sitten! Wir zeigen Ihnen, wie Sie ohne peinliche Fauxpas den Urlaub überstehen.

„Die spinnen die Römer!“ – beim Versuch, Gesten und Verhalten des fremdländischen Gegenübers (ob Römer oder anderer Nationalität) im Urlaub zu deuten, fällt einem oft nur das bekannte Asterix-Zitat ein. Da schüttelt einer den Kopf, meint damit aber „Ja“ statt „Nein“ oder lädt einen mitsamt der ganzen Familie als Übernachtungsgäste zu sich nach Hause ein, obwohl man sich gerade mal zehn Minuten kennt.

Wir wissen längst, dass Kulturunterschiede sich nicht erst beim Urlaub in Asien oder Afrika bemerkbar machen – selbst in unseren Nachbarländern herrschen andere Sitten. Damit Sie sich nicht im nächsten Urlaub unabsichtlich unbeliebt machen, haben wir ein kleines Sitten-Sammelsurium für Sie zusammengestellt:

Bulgarien

Alle schütteln bei einer Einladung freudestrahlend den Kopf? Prima, das heißt in Bulgarien nämlich, dass sie kommen werden. Kopfnicken hingegen bedeutet: „Ich habe schon etwas vor“. Ein Küsschen links und rechts zur Begrüßung wird als aufdringlich empfunden, zu spät kommen hingegen als völlig normal.

Frankreich

Franzosen flirten gern. Das gehört dazu und niemand verspricht etwas, nur weil er bei einem Kompliment freundlich reagiert. Also nicht verschreckt weggucken, sondern lächeln und genießen!

Baguette wird mit den Händen gebrochen und nicht mit dem Messer geschnitten! Zu Beginn der Mahlzeit wünscht man sich einen „bon appétit“ und zum Ende „on a bien mangé“ (wir haben gut gegessen, es hat gut geschmeckt).
Bestellen Sie in Restaurants das Menü: Das ist weitaus günstiger als „à la carte“ zu wählen. Trinkgeld einfach auf dem Tisch liegen lassen.
Französisch sprechen! Und wenn es nur ein paar Brocken Schulfranzösisch sind, die Franzosen werden Ihnen um einiges freundlicher antworten, als wenn Sie es auf Englisch versuchen.

Griechenland

Das Auf- und Abrunden von Beträgen gehört hier einfach dazu. Machen Sie mit und diskutieren Sie nicht, schließlich sind Sie im Urlaub! Kopfnicken bedeutet „Nein“ – „Ja“ heißt auf Griechisch „Ne“.
Das Zusammenführen von Daumen und Zeigefinger für „Alles Ok“ sollten Sie lieber lassen, in Griechenland gilt die Geste als obszön. Ab in die Küche! Aber nur zur Auswahl. Der Wirt nimmt sie an der Hand oder gibt Ihnen ein Zeichen. Einfach auf die Speisen zeigen, die Sie verzehren wollen.

Großbritannien

Immer schön hinten anstellen – drängeln und vordrängeln wird auch in Großbritannien nicht gern gesehen – üben Sie sich in britischer Geduld.
Die Briten lieben ihre Höflichkeitsfloskeln – gebrauchen Sie „Please“, „Thank you“, „You´re welcome“, „Sorry“ etc. also ruhig inflationär.
Tea-Time: Teetrinken am Nachmittag ist auf der Insel heilig – schenken Sie sich als Gast nie selbst den Tee ein, trinken Sie ihn in kleinen Schlucken und schlürfen Sie dabei nicht. Geschäftliche Themen sind während der Teezeit tabu.
Nicht alle über einen Kamm scheren: Es sind Briten oder Waliser, Schotten oder Iren – nicht alles Engländer.
Hätten Sie´s gewusst? Die besten Tipps, damit Sie sich in Spanien, Italien, Österreich, den Niederlanden, Skandinavien und den USA nicht in die Nesseln setzen.


Niederlande

Nicht einfach deutsch sprechen. Lieber erst freundlich fragen, ob der Gesprächspartner deutsch spricht – falls nicht – Niederländer sprechen fließend Englisch.
Im Vergleich zu Deutschland geht es in den Niederlanden informeller zu: auch unter Kollegen und Geschäftspartnern wird schnell geduzt und die Hierarchien sind oft flach. Bei einer „Koffietafel“ erwartetet Sie statt Kuchen und Gebäck belegte Brote oder Salate. Ein Milchkaffee ist übrigens ein „koffie verkeerd“.

Spanien

Die Sitten in Spanien werden zwar immer lockerer, aber in Hotpants in die Kathedrale zu spazieren, empfiehlt sich nicht zum Nachahmen. In Barcelona kann zu wenig Kleidung sogar teuer werden, Bikini-Touris müssen bis zu 300 Euro Strafe zahlen.
Wer lecker Paella oder Tapas am Abend essen will, sollte daran denken, dass die Spanier viel später essen als wir.
Geteilt wird alles – Spanier bieten beim Essen von allen Speisen etwas an. Widerstand zwecklos! Auch beim Picknick am Strand wird Verpflegung für drei Wochen in Tupperware gepackt.
Einladen und einladen lassen! Getrennte Rechnungen werden auch in spanischen Restaurants nicht gerne gesehen. Katalanen und Basken werden auch gerne als solche wahrgenommen und nicht als Spanier bezeichnet.

Italien

Der Italiener liebt seinen Espresso am Morgen in einem Café und zwar im Stehen. Sitzen geht natürlich auch, dann ist der Espresso allerdings teurer! Gefrühstückt wird in der Regel nur ein kleines Brioche oder ein Croissant.
Pasta ist ein „Primo“, also eine Vorspeise, darauf folgt ein „Secondo“ – die Hauptspeise, z.B. Fisch oder Fleisch mit Gemüse.
Auch wenn es in Italien im Sommer noch so heiß ist: Im Brunnen baden wird teuer!
Der Autofahrer hinter ihnen auf der Autobahn blinkt ständig links und betätigt die Lichthupe, obwohl dichter Verkehr ist? Nichts Ungewöhnliches, das ist normal. Einfach ignorieren und normal weiterfahren.
Italiener sind stolz auf ihre Rolle als Kulturnation und auf ihre regionale Küche – Komplimente hören sie gerne.
Bei jeder Mahlzeit – Ausnahme: Menü – müssen Sie 2-3 Euro coperto (für Geschirr und Besteck) einplanen.
Spaghetti werden in Italien nur mit der Gabel gegessen. Aufrollen ist dabei ein Muss, denn abbeißen ist verpönt. Also vorher üben!

Österreich

Vom „Herr Magister“ bis zur „Frau Doktor“ – Österreicher legen großen Wert auf ihre Titel.
In Kaffeehäusern erwartet der „Ober“ mehr als die üblichen 10% Trinkgeld, nämlich ca. 15%.
Wer die Einzigartigkeit des Landes betont, macht sich Freunde.

Skandinavien

Was die Begrüßung angeht, sind die Dänen und Schweden unkompliziert: Titel spielen keine Rolle, man spricht sich mit Vornamen an.
Skandinavier sind kinderfreundlich – sie dürfen lautstark toben und spielen, egal wo und egal wann.
Tränengas im Gepäck? Raus damit, der Besitz und die Einfuhr ist in Schweden verboten. Angeln in der Nähe von Zuchtanlagen ist in Norwegen strikt untersagt. Missachtungen führen zu sehr hohen Geldstrafen.
Vor der Reise einen Blick auf die Promille-Grenze des Landes werfen. Autofahrer dürfen in Schweden und Norwegen maximal mit 0,2 Promille erwischt werden. In Dänemark sind 0,5 Promille erlaubt. Wer zu tief ins Glas schaut, zahlt unter Umständen mehr als 1000 Euro Strafe.

USA

Trinkgeld großzügig geben: Taxifahrer und Kellner erwarten 10-20%, da der „Tip“ den Großteil des Verdienstes ausmacht.
Rasieren und Deodorieren: Achselhaar und unrasierte Beine sind für Amerikaner ein absolutes „no go“.
„Where is the toilet?“: Amerikaner empfinden dieses Wort als unangenehm – erkundigen Sie sich stattdessen lieber nach dem „Restroom“, „Men´s room“ oder „Ladies´ room“. FKK: Hier gelten die gleichen Regeln wie in islamischen Ländern – nackt und Oben ohne ist nicht. In vielen Bundesstaaten gibt es für Nacktsein in der Öffentlichkeit sogar eine Anzeige.
In arabischen und asiatischen Ländern werden Sie als Urlauber mit vielen, für uns fremden Traditionen konfrontiert. Wir machen Sie auf die wichtigsten aufmerksam.


Arabische Länder

Reste auf dem Teller liegen lassen: Das signalisiert, dass Sie satt sind; bei leerem Teller wird gastfreundlich nachgelegt.
Abstand halten: Frauen begrüßen sich in Ägypten mit einem dezenten Kopfnicken; Männer hingegen suchen den Körperkontakt: Händeschütteln, Wangenküsschen, Umarmungen. Nackte Haut zeigen: Außerhalb ägyptischer Feriendomizile ist dezente Kleidung angebracht – das gilt auch für Männer.
Vorsicht beim Seitensprung! Ehebruch wird in Ägypten und Marokko strikt verfolgt und bestraft.
Wer den Ruf als „unhöfliche Einzelbezahler“ nicht verstärken will, verlangt keine getrennte Rechnung.
Nase schnäuzen in der Öffentlichkeit ist verpönt. Auch schmusen auf der Straße wird nicht gern gesehen.
Nicht während eines Gebets in die Moschee spazieren. Ansonsten gilt: Schuhe ausziehen, Schultern und Knie bedecken.

Asiatische Länder

In China hat Trinkgeld keine Tradition und wird fernab internationaler Hotels oft als Beleidigung empfunden. In Touristenzentren nimmt das Servicepersonal aber gerne zehn Prozent.
In asiatischen Ländern gelten die Fußsohlen als unrein. Buddha lehrte, dass die Füße der niederste Teil des Körpers sind. Zeigen Sie also nie mit der Fußsohle in Richtung eines Asiaten, das ist eine grobe Beleidigung.
Im Gegensatz dazu ist der Kopf des Menschen im wahrsten Sinne des Wortes das Höchste. Laut Buddha sitzt dort auch die Seele.
In südostasiatischen Ländern dürfen Sie daher nie jemandem den Kopf tätscheln, denn damit entweihen Sie die Seele. In großen Teilen Asiens (ganz besonders in Indien) gilt die linke Hand als unrein. Essen, Händeschütteln, etc. wird mit der rechten Hand erledigt.
Die Königsfamilie ist in Thailand heilig – das geht sogar soweit, dass mangelnder Respekt eine Straftat sein kann.
Niesen und Naseputzen in der Öffentlichkeit ist tabu. Ganz besonders am Esstisch. Nase hochziehen dagegen nicht!